« 20.6.2006: Armut. Unabwendbar?

Armut. Unabwendbar?Manchem Armen sieht man seine Armut sofort an, einem Bettler zum Beispiel. Vielen mehr sieht man ihre Armut nicht an. Ja sie tarnen ihre Armut so gut es geht, damit sie oder ihre Kinder gesellschaftlich nicht abdriften, nicht zum Außenseiter werden. Beispiele gibt es viele, zu viele: Die geschiedene Frau, die sich als Kassierin im Supermarkt durchschlägt und nicht weiß, wie sie finanziell mit ihren Kindern über die Runden kommt.

Eine Schullandwoche kann da schon zum großen Problem werden. Erwerbsarbeitlose, Mindestrentner, die absolut nicht wissen, wie sie die nächste Strom- oder Heizölrechnung bezahlen, die auch nicht wissen, wie Bekleidung anschaffen und neue Schuhe für den Winter. An Theater- und Kinobesuche ist da nicht zu denken, an Urlaub, an einen Kuraufenthalt - und sei dieser noch so nötig - sowieso nicht. Jeder, der nicht selbst schon einmal zumindest zeitweise dies erlebt, erlitten hat, weiß was Armut wirklich ist.

Und es macht mich wütend, wenn diese Menschen von manchen in der öffentlichen Meinung noch schlecht gemacht werden. Was kann ein Erwerbsarbeitsloser dafür, dass er/sie seinen/ihren Job verloren hat und plötzlich nur mehr das halbe Einkommen hat? Wieso muss sich so jemand von anderen Menschen auch noch als Sozialschmarotzer, als fauler Mensch rufmorden lassen? Ich habe noch nie gehört, dass jemand, der mit Aktien- oder sonstigen Spekulationen viel Geld gemacht hat (arbeitsloses Einkommen!) als Sozialschmarotzer bezeichnet wurde ...

Es stellt sich aber sehr wohl die Frage, ob nicht gerade solche Menschen oder Personen, die nichts anderes tun als ererbtes Vermögen zu verleben, als Sozialschmarotzer zu bezeichnen sind.

Wir brauchen Gerechtigkeit, in der öffentlichen Debatte, vor allem auch aber in der Sache selbst! Es muss das höchste Ziel der Politik sein, wieder werden, dass möglichst viele Menschen einen gerechten Anteil an dem erhalten, was die Volkswirtschaft erarbeitet! Es ist eine Schande, dass die Armutszahlen in einem der reichsten Länder der Welt seit Jahren steigen! Es ist eine Schande, dass in unserem Land, seit vielen Jahren die Einkommensschere auseinander geht anstatt sich zu schließen!

Gäbe es die Kirchen nicht, die sich bis hinauf in die Spitzen sich dieser Problematik annehmen (wie jüngst der deutsche Katholikentag), es gäbe ein wichtiges Sprachrohr für soziale Anliegen nicht! Aber Politik ist für die Menschen da, nicht für das Geld. Und die Wirtschaft muss für die Menschen da sein, nicht nur für die Geldvermehrung weniger!

Die Zivilgesellschaft ist gefordert. Jede Einzelne, jeder Einzelne! Nehmen wir unser aller Schicksal selbst in die Hand, stehen wir auf, treten wir ein für mehr Gerechtigkeit! Auch in unserem Verein! Wir haben schon manches erreicht; es könnte viel mehr sein, würden sich mehr persönlich engagieren!

Karl Zöch

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