Eine Zusammenfassung unseres Kollegen Bernhard Stenzl
Wieder einmal ein großer Tag für die Bewegung der Erwerbsarbeitslosen!
ÖGB Vorsitzender Rudolf Hundstorfer besuchte uns am 17. April 2007 in der Laudongasse. In feines Tuch gekleidet, eine rote Seidenkrawatte tragend, traf er spät, aber doch, mit persönlicher Assistentin bei uns ein. Als gelernter Gewerkschafter schüttelte er jeder Kollegin, jedem Kollegen mit persönlicher Begrüßung die Hand.
Der große Saal war gut gefüllt, Herr Prof. Brazda mit seinen Kameraleuten zu Filmaufnahmen gestellt, ein gutes Zeichen.
Obmann Ing. Günter Reif leitete das Zusammentreffen mit freundlichen, sehr bestimmten Worten ein, an Kritik an den derzeitigen Zuständen am Arbeitsmarkt wurde nicht gespart.
In der anschließenden Diskussion machte Herr Hundstorfer auf mich, möglicherweise auch auf andere Teilnehmer, einen sehr schwachen Eindruck. Er erzählte, daß er, als Gewerkschafter der Gemeindebediensteten Wiens, zum ÖGB-Vorsitzenden gewählt worden ist, was es vorher ja noch nie gegeben hätte. Den schalen Beigeschmack des „letzten Aufgebotes“ ließ Herr Hundsdorfer stehen.
Nach der „Mobilitätsprämie“ seines Parteigenossen Dr. Erwin Buchinger, seines Zeichens „Sozialminister“, befragt, maß Herr Hundstorfer dieser Regelung Sinnhaftigkeit zu. Es ginge nicht an, daß die Betriebe Österreichs an Fachkräftemangel leiden, der Zuzug ausländischer Facharbeiter sei dringend notwendig, um größeren Schaden an der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen abzuwenden.
Großes Erstaunen machte sich breit.
Weitere Fragen nach der unzureichenden Bezahlung von Erwerbsarbeit („Prekarität“) und dem Leben unter der Armutsgrenze trotz Erwerbstätigkeit wurden vom Herrn Präsidenten mit den Worten kommentiert: „Da kann er ja um Sozialhilfe einreichen!“
Völlig verstört blieben die meisten Teilnehmer fassungslos sitzen, einige Kollegen fanden noch Worte zum eigenen Schicksal, die seitens des Vorsitzenden des ÖGB seelenlos unter dem Verweis auf die geltende Rechtslage abgeschmettert wurden.
Am Ende der Veranstaltung wurde die seelische Entrüstung der Anwesenden so groß, daß Herr Hundstorfer seine Gewerkschaftsausbildung vergaß und Hals über Kopf den Raum mit seiner persönlichen Assistentin verließ, um vielleicht erfreulicheren Genüssen zuzustreben.
Meinen Handschlag hat er deshalb nicht mehr erhalten. |