offener Brief an Dr. Schüssel zum Wahlergebnis

Sehr geehrter Herr Dr. Schüssel

Man konnte Ihnen im Fernsehen Ihr Unverständnis der Gründe Ihrer Wahlniederlage ansehen. Man könnte jetzt schadenfroh sagen "Hochmut kommt vor dem Fall".

Ich tue das allerdings nicht, sonder ich bin der Meinung, daß Sie von Ihren Beratern nicht richtig über die Auswirkungen der Maßnahmen der von Ihnen geführten Regierung für die Bevölkerung informiert wurden.

Ob vorsätzlich oder aus gutem Glauben kann ich sagen. Ich persönlich glaube, daß Ihnen manche Ihrer Berater vorsätzlich falsche Informationen übermittelt haben um Sie zu gewissen Handlungen zu veranlassen.

Bei Ihnen, ich konnte in der Vergangenheit an einigen Ihrer Vorträge teilnehmen, habe ich den Eindruck, Sie meinen und glauben selbst an Ihre Ausführungen. Leider werden Ihre Ansichten und die daraus resultierenden Maßnahmen Ihrer Regierung von den meisten der sogenannten "kleinen Leute" anders als von Ihnen erwartet, empfunden.

Auf Grund der von Ihnen gemachten Politik, die vom Wahlvolk als von oben herab, als Bevormundung, Diskriminierung, ja sogar als Verletzung der Menschenrechte der ärmsten Bevölkerungschichten gesehen wird, brauchen Sie sich nicht über die Wahlniederlage zu wundern.

Ihre Politk hat den internationalen Konzernen ein Füllhorn von Förderungen gebracht, deren Mittel den GMU's und der arbeitenden Bevölkerung abgepresst wurden.

Sie haben nicht nur den Erwerbslosen, Arbeitern und Pensionisten das letzte Geld aus der Tasche gezogen und so eine neue Armut geschaffe, sondern überdies die Saat des Sozialhilfeempfangs in Ihrer eignen Klientel den KMU's gesät.

Sie haben es zugelassen, daß viele Menschen aus fadenscheinigen Gründen nicht mehr oder nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen dürfen ohne ihnen eine sinnvolle Alternative zu bieten. Ja Sie und Ihre Partei haben sogar jede Diskussion verweigert und werfen diesen Menschen noch vor selbst an ihrer Situation schuld zu sein. Sollen Ihrer Ansicht, in Zukunft alle Menschen über 45 das Erwerbslosenproblem aktiv durch Selbstentsorgung lösen?

Sie haben viele Erwerbslosen in die Scheinselbständigkeit getrieben und so Potemkinsche Dörfer gebaut. Die meisten dieser neuen Unternehmer und auch viele der alteingesessenen KMU's sind die nächsten Anwärter auf die Sozialhilfe.

Sie haben eine umsatzorientierte Politik gemacht, anstatt auf den Gewinn zu schauen. Umsatz ist nur dann gut, wenn er auch Gewinn abwirft. Die Ansiedlung von Firmen sind nur dann interessant wenn diese nicht kostet und dauerhaft ist. Eine Firma, die nur an den Förderungen interessiert ist und nach dem Ablauf dieser ins nächste Land weiterwandert kann uns Österreichern gestohlen bleiben.

Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben höre aber lieber auf um nicht langweilig zu werden.

Zum Abschluß fordere ich Sie zu einer Fernsehdiskussion mit wirklich Betroffen auf. Da wäre sicher interessanter als eine Diskussion mit dem politischen Mitbewerb wo man doch bereits alle Fragen kennt.

Hochachtungvoll

G. Reif

Obmann des Vereins "Zum Alten Eisen?"

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